In einem Newsletter steht „Zum Angebot", und darunter liegt eine Adresse, die mit dem Angebot nichts zu tun hat. Sie führt zu einem Dienst, der den Klick notiert und danach weiterleitet. Der Umweg dauert Millisekunden, ist nicht zu sehen — und findet bei praktisch jedem gewerblich verschickten Link statt.
Der Umweg
Warum das anders wiegt als ein Zählpixel
Ein Zählpixel meldet, dass eine Nachricht geöffnet wurde. Diese Meldung ist unzuverlässig geworden: Programme laden Bilder nicht mehr automatisch, andere laden sie vorsorglich alle, und beides verfälscht die Zahl in entgegengesetzte Richtungen.
Ein gezählter Klick hat dieses Problem nicht. Ein Klick ist eine bewusste Handlung, und der Aufruf der Zähladresse ist nicht optional — sie steht ja im Weg. Wer klickt, wird gezählt, und zwar richtig.
Deshalb ist Link-Tracking aus Sicht des Absenders die wertvollere Messung, und aus Sicht des Empfängers die aussagekräftigere Preisgabe. Ein geöffnetes Bild sagt „Nachricht angezeigt". Ein Klick sagt „diese Person interessiert sich für dieses Thema", zusammen mit Uhrzeit und Netzstandort.
Woran man es erkennt
Der Linktext sagt nichts — er ist frei wählbar. Entscheidend ist die Adresse dahinter, und die zeigt jedes Programm an, wenn man den Zeiger darüber hält, ohne zu klicken. Auf dem Telefon: lange auf den Link drücken, ohne loszulassen.
Typische Merkmale einer Zähladresse:
- Ein Name, der nichts mit dem Absender zu tun hat, oder eine Subdomain wie
klick.,link.,t.,e. - Ein langer Zufallswert im Pfad oder in der Abfrage — das ist das Kennzeichen, das Sie und diesen Link identifiziert.
- Die eigentliche Zieladresse manchmal sichtbar als Parameter, oft aber nur in der Datenbank des Dienstes.
Der zweite Punkt ist der wichtige. Das Kennzeichen ist je Empfänger verschieden. Wer denselben Link an jemanden weitergibt, gibt ein Kennzeichen weiter, das auf ihn zeigt — und der zweite Klick wird ihm zugeschrieben.
Die Nebenwirkungen, die niemand einplant
Die Links verfallen. Ein Link im Newsletter funktioniert nur so lange, wie der Zähldienst läuft und den Vertrag hat. Wer den Anbieter wechselt, macht damit jeden Link in jeder je verschickten Nachricht unbrauchbar — rückwirkend, auf einmal. Archive, gespeicherte Nachrichten, weitergeleitete Empfehlungen: alle tot.
Die Zähldomain hat einen eigenen Ruf. Bei vielen Anbietern ist sie für alle Kunden dieselbe. Ein anderer Kunde, der sie für etwas Zweifelhaftes benutzt, bringt sie auf eine Blockliste — und dann werden auch Ihre Nachrichten schlechter zugestellt, obwohl an Ihrem Verhalten nichts auszusetzen ist.
Sicherheitsfilter können nicht mehr prüfen. Ein Filter, der Links in eingehender Post bewertet, sieht bei einer Zähladresse nur den Dienst, nicht das Ziel. Manche folgen der Weiterleitung, um doch nachzusehen — womit ein Klick gezählt wird, den kein Mensch getan hat. Genau deshalb sind die Öffnungs- und Klickzahlen in Unternehmensumgebungen systematisch zu hoch.
Der Umweg überlebt die Nachricht. Wer die Zähladresse aufhebt und ein Jahr später aufruft, wird immer noch gezählt.
Was Sie als Leser tun können
- Nachsehen, bevor Sie klicken. Der Zeiger über dem Link zeigt die tatsächliche Adresse.
- Die Zieladresse selbst eintippen, wenn sie erkennbar ist. Bei „Ihre Rechnung liegt im Kundenkonto" ist der sichere Weg ohnehin, das Kundenkonto direkt aufzurufen.
- Weiterleiten Sie keine Links aus Newslettern, ohne das Kennzeichen zu entfernen. Sonst zählt die Handlung des Empfängers auf Ihr Konto.
- Für Anmeldungen, die Sie nicht behalten wollen, eine kurzlebige Adresse benutzen. Das verhindert die Messung nicht, koppelt sie aber von allem anderen ab, was Sie tun.
Was nicht hilft: Bilder abschalten. Das betrifft nur das Zählpixel. Ein Klick auf einen Link ist eine eigene Verbindung von Ihrem Gerät zum Dienst des Absenders, und dagegen richtet keine Bildeinstellung etwas aus.
Was Sie als Absender tun sollten
Eine eigene Zähldomain einrichten. Fast jeder Dienst erlaubt, statt der gemeinsamen Domain eine eigene Subdomain per CNAME zu verwenden — klick.firma.de statt klick.versand.example. Das löst drei Probleme auf einmal: Der Ruf gehört Ihnen, die Links verweisen auf Ihre Domain, und beim Anbieterwechsel bleibt zumindest der Name erhalten.
Nicht alles zählen. In einer Passwort-Zurücksetzung, einer Rechnung oder einer Versandbestätigung ist die Klickrate keine Kennzahl, die jemand braucht. Dort sind Zähladressen nur Nachteil: Sie erschweren die Prüfung, sie sehen verdächtig aus, und sie tragen dazu bei, dass die Nachricht nicht dort landet, wo sie hingehört.
Die Grenze im Blick behalten. Klickdaten je Person sind personenbezogene Daten. Sie brauchen eine Rechtsgrundlage, eine Angabe im Datenschutzhinweis und eine Aufbewahrungsfrist. Ein anonymer Zähler über alle Empfänger braucht das nicht — und beantwortet die Frage, ob eine Aussendung funktioniert hat, genauso gut.