Du meldest dich irgendwo an, wartest auf den Bestätigungslink – und nichts passiert. Nach dreißig Sekunden fragst du dich, ob etwas kaputt ist. Meistens ist es das nicht. Meistens ist die Verzögerung eingebaut.
Grund 1: Greylisting
Viele Mailserver weisen eine Nachricht von einem unbekannten Absender beim ersten Versuch bewusst ab – mit einem Fehlercode, der „versuch es später nochmal" bedeutet. Erst beim zweiten Anlauf wird angenommen.
Der Gedanke dahinter ist elegant: Ein ordentlicher Mailserver hat eine Warteschlange und probiert es nach ein paar Minuten wieder. Ein Spam-Skript nicht – das arbeitet seine Liste ab und ist weg. Greylisting filtert also nicht nach Inhalt, sondern nach Beharrlichkeit.
Der Preis: Die erste Nachricht eines neuen Absenders kommt typischerweise mit ein bis fünfzehn Minuten Verzögerung an. Jede weitere ist sofort da, weil die Kombination aus Absender und Empfänger dann bekannt ist.
Grund 2: Warteschlangen auf der Absenderseite
Wenn ein Dienst tausend Bestätigungsmails gleichzeitig verschickt, gehen die nicht alle zeitgleich raus. Sie landen in einer Warteschlange und werden mit begrenzter Rate abgearbeitet – auch, weil zu viele gleichzeitige Verbindungen zum selben Empfängerserver als verdächtig gelten.
Deine Bestätigungsmail kann also längst erzeugt sein und trotzdem noch anstehen.
Grund 3: Der Abruf auf der Empfängerseite
Hier kommt es darauf an, wie der Anbieter arbeitet.
Die einfache Variante ist Polling: In festen Abständen wird nachgesehen, ob etwas Neues da ist. Prüft ein Dienst alle 30 Sekunden, ist eine Nachricht im Mittel 15 Sekunden alt, bevor sie überhaupt bemerkt wird – im schlechtesten Fall 30.
Die bessere Variante heißt IMAP IDLE. Dabei bleibt eine Verbindung zum Mailserver offen, und der Server meldet sich von sich aus, sobald etwas eintrifft. Die Nachricht ist dann in Sekundenbruchteilen bekannt statt nach einem halben Intervall.
Dazu kommt oft eine zweite Ebene: Auch die Webseite in deinem Browser fragt in Abständen nach, ob es Neues gibt. Diese beiden Intervalle addieren sich.
Bei getSend läuft die einfache Variante. Ein Dienst auf unserem Server meldet sich in zufälligen Abständen von 15 bis 45 Sekunden am Postfach an und holt, was da ist. Die Oberfläche in deinem Browser fragt ihrerseits alle 3 bis 13 Sekunden nach, ob etwas Neues vorliegt. Beide Abstände sind absichtlich zufällig, damit nicht alle Abfragen gleichzeitig auftreffen. Im Mittel liegen damit rund 38 Sekunden zwischen dem Eintreffen einer Nachricht auf dem Mailserver und ihrem Erscheinen in deinem Postfach, im ungünstigsten Fall knapp eine Minute.
Wie sich das aufsummiert
| Abschnitt | günstig | ungünstig |
|---|---|---|
| Warteschlange beim Absender | 1 s | 60 s |
| Greylisting | 0 s | 900 s |
| Abruf beim Empfänger | < 1 s (IDLE) | halbes Polling-Intervall |
| Aktualisierung im Browser | < 1 s | halbes Poll-Intervall |
Greylisting ist mit Abstand der größte Posten – und der einzige, den weder Absender noch Empfänger im Einzelfall abkürzen können.
Was du tun kannst, wenn nichts kommt
- Zwei bis drei Minuten warten. In den meisten Fällen erledigt sich die Sache von selbst.
- Nicht mehrfach „erneut senden" drücken. Das erzeugt mehrere Nachrichten, von denen manche Anbieter alle bis auf die letzte ungültig machen – am Ende funktioniert kein einziger Link.
- Spam-Ordner prüfen, falls du ein normales Postfach nutzt.
- Adresse gegenprüfen. Ein Tippfehler ist die häufigste Ursache, und niemand bekommt eine Fehlermeldung darüber.
- Erst dann eine neue Anforderung stellen, am besten nach fünf Minuten.
Und wenn es wirklich nie ankommt?
Dann liegt es meist an einem von drei Dingen: Der Absender steht auf einer Blockliste, die Adresse existiert nicht wie eingegeben, oder ein Filter hat die Nachricht kommentarlos verworfen. Der letzte Fall ist der ärgerlichste, weil niemand eine Rückmeldung bekommt – weder du noch der Absender.