Warum E-Mail nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt ist

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„Meine E-Mails sind verschlüsselt" stimmt fast immer – und meint fast nie das, was der Satz vermuten lässt. Der Unterschied zwischen Transport- und Inhaltsverschlüsselung entscheidet darüber, wer mitlesen kann.

Was TLS leistet

Zwischen deinem Programm und dem Mailserver, und meist auch zwischen den Mailservern untereinander, läuft die Verbindung über TLS – dieselbe Technik wie beim Schloss-Symbol im Browser. Auf dem Weg von A nach B kann niemand mitlesen.

Der entscheidende Punkt: Das gilt für jede einzelne Strecke, nicht für die gesamte Reise. Bildlich ist eine E-Mail eine Postkarte, die zwischen den Poststellen in einem verschlossenen Wagen transportiert wird. In jeder Poststelle wird sie ausgepackt, gelesen, neu einsortiert und wieder eingepackt.

Wer also mitlesen kann:

  • dein E-Mail-Anbieter
  • der Anbieter des Empfängers
  • jeder Zwischenserver, etwa Spamfilter oder Weiterleitungsdienste
  • wer Zugriff auf eines dieser Systeme erlangt

Und wenn TLS fehlt?

Zwischen Mailservern ist TLS bis heute optional. Unterstützt die Gegenstelle es nicht, wird in vielen Konfigurationen unverschlüsselt zugestellt statt gar nicht. Das ist eine bewusste Abwägung zugunsten der Zustellbarkeit – mit dem Nebeneffekt, dass ein Angreifer den Verzicht erzwingen kann, indem er die Verschlüsselungsanfrage unterdrückt.

Dagegen gibt es Gegenmittel wie MTA-STS und DANE, die einem Absender mitteilen: „Für meine Domain gilt TLS verpflichtend." Verbreitet sind sie noch nicht.

Echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Sie verschlüsselt den Inhalt, bevor er das Gerät verlässt, und entschlüsselt ihn erst auf dem Gerät des Empfängers. Kein Server dazwischen kann etwas damit anfangen. Zwei Verfahren sind seit Jahrzehnten etabliert.

PGP

Jeder erzeugt ein Schlüsselpaar. Den öffentlichen Teil verteilt man, mit dem privaten wird entschlüsselt und signiert. Es gibt keine zentrale Stelle, die Schlüssel beglaubigt – das Vertrauen entsteht dadurch, dass man Schlüssel gegenseitig bestätigt.

S/MIME

Technisch ähnlich, organisatorisch das Gegenteil: Die Schlüssel werden von einer Zertifizierungsstelle ausgestellt, ähnlich wie Zertifikate für Websites. Das ist bequemer und in Unternehmen verbreitet, verlagert das Vertrauen aber auf diese Stelle.

Warum sich beides nicht durchgesetzt hat

  • Beide Seiten müssen mitmachen. Verschlüsselung an nur einem Ende bringt nichts, und der Empfänger muss vorher eingerichtet sein.
  • Schlüsselverwaltung ist unbequem. Schlüssel austauschen, sichern, auf mehreren Geräten bereithalten, bei Verlust ersetzen – all das muss man verstehen und tun.
  • Verlorener Schlüssel heißt verlorene Post. Es gibt keine Wiederherstellung. Das ist das Gegenteil dessen, was Nutzer von Diensten gewohnt sind.
  • Die Metadaten bleiben offen. Wer mit wem wann korrespondiert und worüber – Betreffzeilen sind bei PGP standardmäßig nicht verschlüsselt – ist weiterhin sichtbar. Oft ist das die interessantere Information.
  • Suche funktioniert nicht mehr. Ein Server, der nichts lesen kann, kann auch nichts durchsuchen oder filtern.

Was das praktisch heißt

Behandle E-Mail als das, was sie ist: ein zuverlässiges, offenes und dokumentenechtes Medium – aber kein vertrauliches. Für alles, was wirklich niemanden angehen soll, ist ein Messenger mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung die einfachere und sicherere Wahl.

Für temporäre Postfächer wie unseres gilt das doppelt: Sie haben kein Passwort, und wer die Adresse kennt, sieht den Inhalt. Sie sind für Anmeldebestätigungen gedacht, nicht für Vertrauliches.