Normalerweise muss eine E-Mail-Adresse existieren, bevor sie Post empfangen kann. Bei einem Catch-all ist das anders: Die Domain nimmt alles an, was an sie gerichtet ist – auch Adressen, die es vorher nicht gab.
Wie es technisch funktioniert
Beim Zustellen fragt der sendende Server: „Nimmst du Post für irgendwas@example.com an?" Ein normaler Server schlägt in seiner Nutzerliste nach und antwortet mit einer Ablehnung, wenn die Adresse unbekannt ist.
Ein Catch-all überspringt diesen Schritt. Er antwortet immer mit „ja" und legt die Nachricht in ein Sammelpostfach – oder, wie bei uns, in eine Verarbeitung, die daraus im selben Moment eine Adresse anlegt und die Nachricht zuordnet.
Deshalb kannst du dir bei einem Dienst wie unserem eine Adresse einfach ausdenken. Sie muss nicht registriert werden; sie entsteht in dem Augenblick, in dem die erste Nachricht dafür eintrifft.
Wofür das gut ist
- Eine eigene Adresse pro Anbieter. Wer eine eigene Domain besitzt, kann
shop-xy@meine-domain.deverwenden, ohne vorher etwas einzurichten. Kommt später Werbung darüber, weiß man sofort, wer die Adresse weitergegeben hat. - Keine verlorene Post durch Tippfehler. Schreibt jemand
inof@stattinfo@, kommt die Nachricht trotzdem an. - Temporäre Adressen ohne Registrierung. Genau das Prinzip, auf dem dieser Dienst beruht.
Die Kehrseite
Spam ohne Bremse
Der größte Nachteil: Ein Catch-all kann Post nicht mehr ablehnen, weil es die Adresse nicht gibt. Genau diese Ablehnung ist bei normalen Postfächern die erste und billigste Verteidigungslinie. Wer Adressen rät – info@, kontakt@, max@ –, trifft bei einem Catch-all immer.
Rückschlüsse für Angreifer
Weil der Server jede Adresse bestätigt, verrät er indirekt, dass er ein Catch-all betreibt. Anbieter nutzen genau das, um Dienste für temporäre Adressen zu erkennen und abzulehnen – wir haben das in einem eigenen Beitrag beschrieben.
Rückläufer und Reputation
Wer an eine Catch-all-Domain schickt, bekommt nie eine Fehlermeldung, selbst wenn die Adresse Unsinn ist. Für Absender, die ihre Adresslisten sauber halten wollen, ist das ein Problem: Die übliche Rückmeldung fehlt. Manche Versanddienstleister meiden Catch-all-Domains deshalb.
Zuordnung
Landet alles in einem Sammelpostfach, muss jemand sortieren. Bei uns übernimmt das die Anwendung, indem sie jede Nachricht anhand der Empfängeradresse einem Alias zuweist – deshalb siehst du in deinem Postfach nur, was an genau deine Adresse ging.
Die Alternative: definierte Aliase
Statt eines Catch-alls kann man auch eine überschaubare Zahl echter Aliase anlegen, die auf ein Postfach zeigen. Das ist etwas mehr Verwaltung, hat aber einen entscheidenden Vorteil: Unbekannte Adressen werden abgelehnt, und damit greift die erste Filterstufe wieder.
Für eine eigene Domain im privaten Gebrauch ist ein Catch-all bequem. Für eine Domain, die geschäftlich Post empfängt, sind definierte Aliase meist die bessere Wahl.
Was das für dich hier bedeutet
Bei uns ist der Catch-all Teil des Konzepts: Du sollst dir eine Adresse ausdenken können, ohne dich anzumelden. Der Preis dafür ist, dass wir eingehende Post nicht anhand der Adresse vorfiltern können. Deshalb setzen wir auf andere Mittel – gesperrte Aliasnamen, feste Löschfristen und die Prüfung ausgehender Nachrichten. Was davon greift und wo die Grenzen liegen, steht in unserem Beitrag zur Missbrauchsabwehr.