Der Rat „einfach abmelden" ist manchmal richtig und manchmal genau falsch. Es kommt darauf an, wer geschrieben hat – und das lässt sich meistens erkennen.
Der Unterschied
Bei einem seriösen Absender – einem Shop, bei dem du bestellt hast, einem Newsletter, den du abonniert hast – ist der Abmeldelink gesetzlich vorgeschrieben und funktioniert. Nutze ihn. Er ist der schnellste Weg und hilft dem Absender außerdem, seine Liste sauber zu halten.
Bei echtem Spam ist der Link etwas anderes: eine Prüfung. Wer klickt, bestätigt drei Dinge auf einmal – die Adresse existiert, sie wird gelesen, und dahinter sitzt ein Mensch, der auf Nachrichten reagiert. Eine solche Adresse ist auf dem Markt deutlich mehr wert als eine ungeprüfte. Die Folge ist oft mehr Spam, nicht weniger.
Woran du es unterscheidest
Frage dich zuerst: Kenne ich diesen Absender? Habe ich dort bestellt, mich eingetragen, ein Konto?
Wenn ja, spricht wenig gegen den Abmeldelink. Zusätzliche Anhaltspunkte für einen legitimen Versand:
- ein vollständiges Impressum am Ende der Nachricht
- der Absender passt zur Domain des Unternehmens
- die Nachricht besteht die Authentifizierungsprüfungen, erkennbar am Nachrichtenkopf
- es gibt einen Abmeldeknopf direkt im Mailprogramm, nicht nur im Text
Wenn du den Absender nicht kennst, die Nachricht in einer Sprache kommt, die du nie angegeben hast, oder der Abmeldelink auf eine Domain führt, die mit dem Absender nichts zu tun hat: nicht klicken.
Der Knopf, den kaum jemand kennt
Seriöse Massenversender setzen einen Kopfzeileneintrag namens List-Unsubscribe. Dein Mailprogramm zeigt daraufhin einen eigenen Abmeldeknopf an – bei Gmail und Outlook oben neben dem Absender.
Dieser Weg ist dem Link im Text vorzuziehen: Er läuft über deinen Anbieter, du öffnest keine fremde Seite, und seit die großen Anbieter ihn für Massenversender verpflichtend gemacht haben, funktioniert er zuverlässig. Ist er vorhanden, ist das zugleich ein gutes Zeichen für den Absender.
Was du bei echtem Spam stattdessen tust
- Als Spam markieren, nicht löschen. Das ist der wirksamste Schritt. Dein Anbieter lernt daraus, und die Bewertung fließt in die Reputation des Absenders ein – bei genug Meldungen trifft es ihn bei allen Empfängern.
- Nicht antworten, keine Bilder laden. Auch ein geladenes Bild bestätigt, dass die Nachricht geöffnet wurde. Warum, steht in unserem Beitrag zu Tracking-Pixeln.
- Nichts anklicken, auch keinen scheinbar harmlosen Link.
- Bei anhaltendem Spam an eine bestimmte Adresse: die Adresse aufgeben, wenn möglich. Steht sie erst einmal auf Listen, verschwindet sie dort nicht mehr – unsere eigene Auswertung zeigt Adresslisten, die über zehn Jahre alt sind und immer noch benutzt werden.
Der Grund, warum das überhaupt ein Problem ist
Wer für jeden Anbieter dieselbe Adresse benutzt, kann bei Spam nur zwischen dulden und Adresse wechseln wählen. Wer pro Anbieter eine eigene Adresse verwendet, hat eine dritte Möglichkeit: die betroffene abschalten und alles andere behalten. Welche Varianten dafür taugen, vergleichen wir in einem eigenen Beitrag.